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Heute erzähle ich Euch ein wenig über Lydia.
Lydia ist die Maid des Hauses, in dem ich in Kapstadt wohne.
Ich habe hier ein gemütliches kleines Apartment mit Küche.
Vor allem gibt es einen Pool. Bei den Temperaturen ausgesprochen willkommen.
Lydia kommt von Montag bis Freitag und sorgt dafür, dass das Haus immer ordentlich ist. Sie kümmert sich um die Wäsche und geht mit Coco in den Park.

Ach so, wer ist Coco? Ein rabenschwarzer Pudel, der gerne spielt und auch auf Diebestour ist. Wenn ich etwas vermisse, schaue ich mal in seinem Versteck nach.
Dort findet sich in der Regel das Gesuchte.
Aber zurück zu Lydia. Die Perle hat immer ein strahlendes Lächeln im Gesicht, singt gerne und ruft mir morgens ein fröhliches „guten Morgen“ zu.
Ich bin neugierig und frage sie, ob ich ihr ein paar Fragen zu ihrem Leben stellen darf.
Klar, sie ist sofort einverstanden.
Wir setzen uns gemütlich bei einer Tasse Kaffee zusammen und plaudern:

Lydia, wie lange arbeitest Du schon für Ingrid?
Seit 18 Jahren bin ich hier im Haus beschäftigt.

Was hast Du vorher gemacht?
Ich habe verschiedene Jobs gehabt, zum Beispiel bei Kentucky Fried Chicken.
Dann bin ich zu Ingrid gekommen und arbeite seitdem hier.

Hast Du auch bezahlten Urlaub?
Ja, ich habe Urlaub und auch wenn ich krank bin, bekomme ich weiter mein Gehalt.

Ah, das ist ein Stichwort. Bist Du denn krankenversichert?
Ja, ich habe eine Krankenversicherung. Auch für meine Kinder. Und ich zahle auch die Krankenversicherung für meinen Bruder, der seit einem Schlaganfall nicht mehr arbeiten kann. Bei uns gibt es kaum Unterstützung vom Staat, wenn jemand nicht mehr arbeiten kann.

Wieviel Kinder hast du denn Lydia?
Drei insgesamt. Eine Tochter, die ist schon groß und hat selbst schon ein Kind.
Ich bin schon stolze OMA
Und mit meinem jetzigen Mann habe ich 2 Jungs, die gehen noch zur Schule.

Apropos Schule: Dafür musst Du doch zahlen und die Bücher und Schuluniformen müssen auch von den Eltern bezahlt werden?
Ja, und das ist auch recht viel. Aber Ingrid zahlt das und wenn ich mal etwas außer der Reihe brauche, springt sie auch ein.

Das klingt gut. Du bist also zufrieden hier?
Ja, für mich ist es wie eine Familie. Ich kann auch Lebensmittel mit nach Hause nehmen, die hier übrig sind. Da freuen sich meine Jungs immer total. Ich kann mich auf Ingrid verlassen und sie sich auf mich. Wir sind ein gutes Team.

Und Dein Mann, was arbeitet er?
Er hat ein kleines Transfer-Unternehmen.
Wenn jemand einen Transfer braucht oder etwas transportiert werden muss, zum Beispiel Medikamente oder so, dann macht er das.

Und ihr habt auch ein Auto, oder?
Da hat auch Ingrid geholfen.
Ich verdiene zwar sehr gut, im Monat sind es ZAR 8.000, aber dennoch könnten wir uns davon kein Auto leisten.
Die meisten meiner Freundinnen verdienen weniger, es gibt auch Mädels die tageweise bezahlt werden. ZAR 150 am Tag, das ist sehr wenig.

Und wieviel zahlst Du Deiner Maid? (Frage von Lydia)
Hm, ich habe keine Maid. Ich mache alles selber. Nur manchmal, wenn ich es nicht mehr schaffe, dann leiste ich mir jemand für ein paar Stunden.

Lydia ist total erstaunt und fragt mehrfach, ob ich wirklich alles selbst mache.
Putzen, waschen, Kochen, einkaufen??
Ja, in Deutschland ist es eben anders. Vielleicht hätte ich reich heiraten sollen

Wo wohnst Du Lydia?
In Kayelitha, das ist ein riesengroßes Township.
Dort haben wir ein kleines Häuschen mit 2 Schlafzimmern und einem Bad.
Aber es ist nicht wirklich sicher dort und seitdem die Situation durch Corona so schlimm geworden ist, nimmt die Kriminalität zu.
Die Menschen haben keine Arbeit mehr und bekommen so gut wie keine Unterstützung vom Staat.
Ich gehe niemals im Dunkeln nach Hause. Das ist gefährlich.

Wie ist es denn bei Dir in Deutschland will Lydia wissen.
Ja, wie ist es bei uns. Da mache ich mir jetzt mal intensive Gedanken zu.
Aber letztendlich kann man die Lebensweise nicht vergleichen. Die Rahmenbedingungen sind völlig unterschiedlich.
Was mir auffällt ist, dass die Menschen in Afrika eine hohe Eigenverantwortung haben und nicht gleich nach staatlicher Hilfe rufen, die es sowieso kaum gibt.
Wenn es ein Problem gibt, packen alle an.
Das gilt für die schwarze wie auch für die weiße Bevölkerung.
Und man ist füreinander da. Man hilft sich.
Klar gibt es Ausnahmen und wo Sonne ist, gibt es auch Schatten.
Aber insgesamt ist es ein rundes Bild, das ich hier erfahre.

Zum Schluss unseres Gesprächs erzählt mir Lydia noch, dass ihr Sohn gerne skaten geht. Die Jungs treffen sich immer irgendwo in der Stadt und üben. Es werden kleine Videos mit dem Handy gedreht und sie haben einen Riesenspaß.
Sie verrät mir, dass die Jungs auch oft vor dem Haus, in dem ich wohne üben.
Da gibt es so eine Art Treppe, über die sie springen.
Die Straße ist abschüssig und so kommt man richtig in Schwung.
Nach ein paar Tagen habe ich das Glück und kann sie tatsächlich vor der Tür beobachten. Schon faszinierend, wie wagemutig sie auf den Boards sich über die Kanten stürzen und versuchen ganz hochzuspringen. Es ist eine Gruppe von ca. 10 Jungs, alle sehr lässig und Stürze werden heldenhaft weggesteckt, besonders wenn noch jemand zuschaut.
Ich mache viele Bilder und frage dann, ob ich sie auf unsere Webseite setzen darf.
Na klar, ein strahlendes Lachen begleitet die Zusage.

Und hier sind sie: die Helden der Straße auf ihren Boards…

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