Wie überall auf der Welt leidet auch Südafrika unter den wirtschaftlichen Folgen von Corona.
Staatliche Hilfen sind minimal, was zur Folge hat, dass immer mehr Menschen auf der Straße und in Gebüschen leben. Notdürftig mit Pappe und Plastiktüten werden die Unterschlüpfe gebaut.
Wen wundert es, wenn aufgrund dieser Armut auch mal ein Auto aufgebrochen wird, weil da doch tatsächlich Schuhe deutlich sichtbar liegen.
Das ist mir passiert: Morgens unbedacht zum Auto gelaufen, dann der Schock. Auto aufgebrochen und alles voller Scherben, meine geliebten Afrikaschuhe weg. Aber ich kann da gar nicht sauer sein. Wenn man keine Schuhe an den Füßen hat, passieren solche Dinge.


Der Schaden muss gemeldet werden, damit die Versicherung bezahlt.
Mein Tag hat sich dann noch äußerst interessant gestaltet:
Zunächst bin ich zu einer Polizeistation in Sea Point (Kapstadt) gefahren.
Die Warteschlange ist nicht allzu lang und nach 20 Minuten Wartezeit darf ich eintreten nachdem ich unter Aufsicht meine Hände desinfiziert habe. Man darf auch sein eigenes Desinfektionsmittel verwenden, was ich vorziehe, da das angebotene doch sehr stark nach Spiritus riecht.
Mein Anliegen ist schnell erklärt und man reicht mir wortlos ein Formular. Ich darf mich zum Ausfüllen hinsetzen. Eifrig mache ich mich an die Arbeit. Eine Polizistin schaut mir über die Schulter und ist entsetzt. Was ist passiert ? Ich habe mit einem roten Stift geschrieben. Mein Markenzeichen. Nicht jedoch beim Ausfüllen eines amtlichen Formulars. Ich frage nach einem Stift mit blauer oder schwarzer Mine. Den hat leider bereits ein anderer Antragsteller und ich soll warten. Zum Glück fällt mir ein, dass ich im Auto einen Stift habe, den ich von einem Straßenverkäufer gekauft habe und der schreibt schwarz. Neuer Anlauf. Nach gefühlten 30 Minuten bin ich fertig und darf auch gleich das Formular abgeben. Alles wird aufmerksam gelesen. Bis meine Adresse auffällt:

Ein bedauerndes jedoch energisches Kopfschütteln. Ich bin in der falschen Polizeistation. Hm, ist das nicht eine Polizeistation wage ich einen Einwand. Ja, aber da ich in der Exelsior Av. wohne muss ich zu einer anderen Polizeistation. Ich schaue ratlos, aber mir wird geholfen. Mit einer Skizze auf der auch die Adresse vermerkt ist, mache ich mich auf den Weg. Frau Google hilft wie immer und ich erreiche das hoffentlich richtige Revier.
Innenstadt, keine Parkplätze. Hintere Scheibe ist ja kaputt, da mag ich das Auto nicht an jeder Ecke abstellen. Ich habe Glück, da ist ein perfekter Parkplatz. Pustekuchen. Ein Herr in Uniform, die ihn als Polizist ausweist, stürmt auf mich zu und erklärt mir, dass ich hier nicht parken kann. Ich setze meinen Charme ein und erkläre ihm wortreich meine Geschichte mit dem Einbruch und dem falschen Polizeirevier. Südafrikaner lieben Geschichten und so bekomme ich einen Parkplatz den er persönlich beaufsichtigt. Genau gegenüber.

Auch in dieser Polizeistation muss ich nicht sonderlich lange Warten, nach ca. 45 Minuten bin ich schon dran. Aber das ausgefüllte, mitgebrachte Formular gibt es hier nicht. Es erschließt sich mir nicht warum, aber ok, ich fülle noch einmal eins aus. Mit der richtigen Farbe. Nochmal warten bis ich wieder dran bin. Zwischen dem Polizisten und mir ist eine Zentimeter dicke Glasscheibe. Jeder hat eine Maske auf, die Verständigung ist fast unmöglich. Es gibt noch etliche Fragen zu klären. Um weiter zu kommen, setzen wir wechselseitig die Masken ab und schreien die Glasscheibe an, es funktioniert. Alles wird säuberlich per Hand in eine Kladde* eingetragen und als Vorgang an einen Kollegen weitergegeben. Kopie für mich? Fehlanzeige. Aber die Versicherung bestätigt, dass ich am nächsten Tag eine Schadensnummer per SMS bekomme. Gegen 15:00 bin ich wieder zu Hause. Gestartet bin ich um 09:00. Unglaublich. Am nächsten Tag kommt ein Polizist bei mir vorbei, um noch die Frage zu klären, was aus dem Auto gestohlen wurde. Ich verkneife mir zu bemerken, dass alles, wirklich alles in dem Protokoll steht. Geistesgegenwärtig frage ich nach der Schadensnummer, die er telefonisch bei seinem Kollegen erfragt. Fazit: Nichts, aber auch wirklich nichts im Auto liegen lassen. Interessanterweise wurde mein Adapter, der ebenfalls im Auto lag nicht mitgenommen, nur die Schuhe.
Und das spricht Bände, oder?

*Ein Schmier-, Skizzen-, Notiz- oder vorläufiges Geschäftsbuch.

One response

  1. Liebe Petra, da hattest Du ja außer den vielen schönen Erlebnissen mal eine Erfahrung machen müssen, auf die Du bestimmt gerne Verzichtet hättest. Aber Du kennst Afrika so gut wie wohl kaum ein Anderer und weißt, dass es aufgrund deiner Schilderung bezüglich der allgegenwärtigen Armut in diesem Land doch auch vorkommen kann und auch oftmals vorkommt. Dieses, leider, negative Erlebnis schmälert aber bei Dir bestimmt weiterhin nicht deine Bewunderung für dieses wunderbare Land mit seinen, zum größten Teil, sehr liebenswürdigen Menschen. Wir wünschen Dir auf alle Fälle weiterhin eine schöne Reise mit hoffentlich tollen Erlebnissen und, dass Du vor weiterem Ungemach verschont bleibst. Liebe Grüße von Deinen Freunden, Inge und Karl Heinz

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